Kinderbetreuung im Vergleich: Warum einfache Zahlen oft nicht ausreichen

Kinder & Jugend · Magazin

Die bisherigen Beiträge von VB.Liberal haben sich mit den gesetzlichen Grundlagen, der Organisation von Kindertageseinrichtungen sowie unterschiedlichen Trägerstrukturen beschäftigt. Dabei ging es zunächst vor allem um die grundsätzliche Frage:

Wie entsteht Kinderbetreuung vor Ort überhaupt – organisatorisch, rechtlich und finanziell?

Im nächsten Schritt der laufenden Recherche zeigt sich nun jedoch zunehmend ein weiteres Problem:

Viele scheinbar einfache Kennzahlen zur Kinderbetreuung sind in der Praxis deutlich schwerer vergleichbar, als es auf den ersten Blick erscheint.

Wenn Zahlen auf den ersten Blick vergleichbar wirken

Gerade bei kommunalen Haushaltszahlen entsteht schnell der Eindruck, man könne Städte und Gemeinden direkt miteinander vergleichen.

Beispielsweise:

  • Kosten je Kitaplatz
  • kommunaler Zuschuss
  • Anzahl der Einrichtungen
  • Personal je Gruppe
  • Zahl der betreuten Kinder

Solche Kennzahlen wirken zunächst klar und objektiv.

Je tiefer man sich jedoch mit den tatsächlichen Strukturen beschäftigt, desto deutlicher wird:

Hinter scheinbar gleichen Zahlen stehen häufig sehr unterschiedliche organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen.

Bereits die Grunddaten unterscheiden sich

Schon bei grundlegenden Angaben zeigen sich Unterschiede zwischen Kommunen.

So wird teilweise mit:

  • genehmigten Plätzen,
  • tatsächlich verfügbaren Plätzen,
  • belegten Plätzen,
  • betreuten Kindern zum Stichtag
  • oder durchschnittlich betreuten Kindern

gearbeitet.

Diese Zahlen können erheblich voneinander abweichen.

Besonders bei altersübergreifenden Gruppen oder Einrichtungen mit U3-Betreuung verändert sich die tatsächlich nutzbare Kapazität häufig abhängig von Alter, Betreuungsbedarf oder Gruppenzusammensetzung.

Dadurch können zwei Kommunen auf den ersten Blick ähnliche Platzkapazitäten aufweisen, organisatorisch jedoch sehr unterschiedlich aufgestellt sein.

Auslastung beeinflusst die Kosten erheblich

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die tatsächliche Auslastung von Einrichtungen.

Viele Kosten einer Kindertageseinrichtung entstehen unabhängig davon, ob einzelne Plätze vollständig belegt sind.

Dazu gehören unter anderem:

  • Gebäude
  • Energie
  • Leitungsstrukturen
  • Teile des Personaleinsatzes
  • Reinigung
  • Verwaltungsaufwand

Wenn Einrichtungen nicht vollständig ausgelastet sind, verteilen sich diese Kosten auf weniger Kinder.

Gerade in ländlich geprägten Regionen mit mehreren Ortsteilen kann dies organisatorisch gewollt oder strukturell kaum vermeidbar sein. Wohnortnahe Betreuung bedeutet häufig andere Strukturen als in dichter besiedelten Städten.

Auch die Haushalte sind oft nur eingeschränkt vergleichbar

Im Verlauf der Recherche zeigte sich außerdem, dass viele Kosten im Haushalt nicht überall gleich dargestellt werden.

So unterscheiden sich Kommunen beispielsweise bei:

  • der Zuordnung von Gebäudekosten
  • Abschreibungen und Investitionen
  • internen Leistungsverrechnungen
  • Verwaltungs- und Bauhofleistungen
  • der Abbildung freier oder kirchlicher Träger
  • separaten Produkten für Krippen oder Betreuungseinrichtungen

Teilweise werden Kosten zentral verbucht, teilweise direkt bei den Einrichtungen.

Dadurch kann dieselbe Aufgabe in zwei Kommunen sehr unterschiedlich im Haushalt erscheinen – obwohl die tatsächliche Belastung ähnlich sein kann.

Trägerstrukturen erschweren direkte Vergleiche zusätzlich

Besonders deutlich wird dies bei unterschiedlichen Trägerstrukturen.

Während manche Kommunen Einrichtungen vollständig selbst betreiben, arbeiten andere überwiegend mit kirchlichen oder freien Trägern zusammen.

Dadurch entstehen unterschiedliche organisatorische Zuständigkeiten:

  • Personal beim Träger
  • Gebäude bei der Kommune
  • Zuschüsse über den Haushalt
  • Investitionen getrennt ausgewiesen
  • Verwaltung teilweise zentral organisiert

Auch dadurch lassen sich Zahlen häufig nur eingeschränkt direkt vergleichen.

Öffentliche Daten sind vorhanden – aber oft verteilt

Viele Informationen zur Kinderbetreuung sind grundsätzlich öffentlich zugänglich.

Allerdings zeigt sich in der Praxis häufig:

Die relevanten Daten verteilen sich auf unterschiedliche Quellen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Haushaltspläne
  • Stellenpläne
  • Jahresabschlüsse
  • Trägerinformationen
  • Kitaportale
  • Pressemitteilungen
  • Förderbescheide
  • kommunale Übersichten

Oft entsteht erst aus der Kombination verschiedener Informationen ein belastbares Gesamtbild.

Erste Rückmeldungen aus Kommunen

Im Rahmen der bisherigen Recherche wurden bereits erste Kommunen im Vogelsbergkreis kontaktiert.

Die Rückmeldungen zeigen dabei sehr unterschiedliche organisatorische Strukturen und Darstellungsformen.

Einige Kommunen haben ergänzende Informationen bereitgestellt oder auf Besonderheiten ihrer Träger- und Kostenstruktur hingewiesen. Andere verweisen auf öffentlich verfügbare Daten oder auf die jeweiligen Trägerorganisationen.

Gerade diese Unterschiede machen deutlich, wie komplex eine sachgerechte Einordnung kommunaler Kinderbetreuung tatsächlich ist.

Ziel der weiteren Analyse

Die laufende Recherche verfolgt ausdrücklich nicht das Ziel schneller Rankings oder vereinfachter Bewertungen einzelner Kommunen.

Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage:

Welche strukturellen Faktoren bestimmen tatsächlich die Kosten und Organisation der Kinderbetreuung?

Dabei sollen in den kommenden Beiträgen unter anderem betrachtet werden:

  • Unterschiede zwischen kleinen und größeren Kommunen
  • Auslastung und Platzstruktur
  • U3- und Ü3-Betreuung
  • Träger- und Organisationsmodelle
  • kommunale Zuschüsse und Vollkosten
  • Auswirkungen ländlicher Strukturen
  • Unterschiede in Haushaltsdarstellungen

Die bisherigen Recherchen zeigen bereits, dass sich viele Unterschiede zwischen Kommunen nicht mit einzelnen Kennzahlen erklären lassen. In den kommenden Beiträgen soll deshalb Schritt für Schritt untersucht werden, welche Faktoren tatsächlich hinter den unterschiedlichen Kostenstrukturen stehen.

Kinderbetreuung im Vergleich: Warum einfache Zahlen oft nicht ausreichen